Julian Rohn
Mit den Tourenski sind wir unterwegs im Tirol. Wir sind mitten in den Bergen, trotzdem nah an der Stadt. Zum Ausgangspunkt unserer Skitouren gelangen wir mit dem öffentlichen Verkehr. Hier findest du Tipps für dein nächstes Abenteuer.
Bergführer Tobi kickt seine Skischuhe sorgfältig in den Schnee und verbessert die Tritte. Wir folgen ihm mit Ski am Rucksack vorsichtig den luftigen Grat entlang. Links geht es hinunter ins schneegefüllte Hafelekar, das uns gleich in die wilde Gebirgslandschaft des Karwendels leiten wird. Wenn wir aber nach rechts schauen, sind über 1’500 Meter weiter unten die Dächer und Strassen von Innsbruck zu sehen.
Es ist Tag drei unserer Tourenwoche rund um die Tiroler Hauptstadt und diese Passage am Grat steht fast sinnbildlich für den ganzen Trip. In wohl kaum einer anderen Grossstadt der Alpen ist das urbane Leben so schnell mit dem Abenteuer am Berg zu verbinden wie hier in Innsbruck. Mehr als zehn Skigebiete erreicht man aus der Stadt in unter einer Stunde. Dazu kommen noch unzählige Skitouren abseits der Bergbahngebiete. Auch der Alpenhauptkamm und der Brenner liegen praktisch um die Ecke.
FĂĽnf Tage lang erkunden wir diese ungewöhnÂliche Mischung aus Grossstadt und Bergerlebnis. Wir, das sind Jessi, Swinde, Micha und Ruedi von Transa, dazu unser BergfĂĽhrer Tobi von Höhenfieber und ich, aus der 4-Seasons-Redaktion. Anders als auf gewöhnlichen Skitourenwochen brechen wir morgens nicht von einer BerghĂĽtte auf, sondern stärken uns erst noch in unserem DesignÂhotel am grossen Zmorgebuffet. Anschliessend geht es umweltbewusst mit Bus und Bahn zu den Ausgangspunkten fĂĽr den Tag. Die Kombination aus SkiÂtouren und nachhaltigem, öffentlichen Verkehr funktioniert rund um Innsbruck perfekt.
«Wir brechen morgens nicht von einer Berghütte auf, sondern stärken uns im Hotel noch am Zmorgebuffet.»
Schon bei der Anreise zu dieser Pioniertour haben wir das genutzt – mit einem Zwischenstopp am Arlberg. Aus ZĂĽrich benötigt man mit dem Zug nicht mal 2.5 Stunden bis nach St. Anton. Und das Skigebiet mit seinen legendären VarianteÂnÂabfahrten liegt genau auf der Strecke nach Innsbruck. Mit der Rendlbahn erleichtern wir uns ein paar Höhenmeter, ehe wir die Pisten hinter uns lassen und nach einer kleinen Abfahrt die Steigfelle unter die Ski kleben. Selbst in einem der beliebtesten Freeride-Gebiete entkommen wir problemlos der Masse, sobald wir ein paar zusätzliche Meter in Richtung Hochkarspitze (2’836 m ĂĽ. M.) aufsteigen. Nach zwei netten Rinnen und guten SchwĂĽngen in weichem Schnee stehen wir wieder am Bahnhof und rollen gemĂĽtlich mit dem Zug weitÂÂer in Richtung Innsbruck.
An Tag zwei nutzen wir das Innsbrucker Haus- und Familienskigebiet Axamer Lizum als AusÂgangsÂpunkt. Vom Hauptbahnhof bringt uns der Skibus in nur 50 Minuten zu den Liften unterhalb der markanten Felsformation der Kalkkögel. 1976 fand hier auf den Pisten ein Grossteil der Skiwettbewerbe der Olympischen Spiele von Innsbruck statt. Heini Hemmi aus Churwalden gewann damals Gold im Riesenslalom.
Aus dieser Zeit stammt auch noch immer die alte Standseilbahn, die wir fĂĽr die ersten Höhenmeter auf die Gipfelstation am Hoadl nutzen. Von dort lassen wir den Trubel hinter uns und queren unterhalb der Kalkkögel in Richtung SĂĽdÂwesten ins freie Gelände. Weisse, kupierte Hänge liegen vor uns. Es gibt zahlreiche Optionen, man könnte von hier sogar zum «Sellrain-Express» aufbrechen – eineÂr mehrtägigen Skidurchquerung in Richtung Sellrain und KĂĽhtai.
Wir entscheiden uns aber gegen grosse Namen und vertrauen unserem BergfĂĽhrer Tobi, der eineÂn unscheinbaren Höhenzug anspurt. Tatsächlich findet sich hier noch reichlich unverspurtes Gelände und im Laufe des Tages machen wir drei grössere Abfahrten. Trotzdem werden wir am Abend nur entspannte 800 Höhenmeter im Aufstieg gesammelt haben. Swinde, VerkaufsÂberaterin in der Transa Filiale ZĂĽrich Europaallee, ist beeindruckt: «Mir gefällt die Gegend gut, die FelstĂĽrme der Kalkkögel erinnern mich etwas an die Dolomiten. Noch mehr bin ich aber vom Schnee ĂĽberrascht, auch nach zwei Wochen ohne Neuschnee haben wir hier wirklich gute Verhältnisse vorgefunden.»
So eine lange Zeit nach dem letzten Schneefall rund um Innsbruck noch unverspurte Flecken zu finden, erfordert tatsächlich einen gewissen Spürsinn. Denn die einheimische Skiszene weiss um ihre Möglichkeiten und nutzt sie auch. Besonders unter den Studierenden sind viele Freeride- und Skitourenbegeisterte – bei Neuschnee bleibt manche Vorlesung an der Innsbrucker Uni einfach leer.
Doch zurĂĽck zu dem Grat ĂĽber den DächerÂÂn von Innsbruck. Um aus der Stadt an diesen Ort mit der wirklich einmaligen Aussicht zu gelangen, benötigt man gerade mal eine halbe Stunde. Mitten aus der Stadt geht es zunächst mit einer Standseilbahn und dann per Gondel auf die Nordkette in 2’256 Meter Höhe.
Hier oben wartet jetzt ein echter Innsbruck-Klassiker auf uns: die Kleine Karwendel-Durchquerung vom Hafelekar ins Halltal. Es ist eine Kombination aus mehreren Hochtälern und Übergängen, bis man schliesslich hinunter in den Innsbrucker Vorort Absam fährt. Für unsere Variante fellen wir nach den ersten gut 300 Höhenmetern Abfahrt ins Hafelekar wieder auf. Luftlinie sind wir nur wenige Kilometer vom geschäftigen Inntal entfernt, doch abgeschirmt durch die Gipfel der Nordkette bewegen wir uns in unserem eigenen Reich. Es geht durch eine Latschenzone hindurch in das grosse Becken des Mandlkars. Die Spitzkehren hinauf zum gleichnamigen Joch sind scharf gezogen und aufgrund des hier harten Schnees im Anstieg rät Tobi zu Harscheisen.
Oben angekommen erhaschen wir erneut einen Blick ins Inntal, ehe wir einen halb aufgefirnten SĂĽdosthang abfahren und schliesslich wieder in die Ruhe des Karwendels eintauchen. Dort, wo der Firn langsam in nervigen Bruchharsch ĂĽberzugehen droht, findet Tobi tatsächlich noch eine Mulde mit unverspurter weicher Ware. Schliesslich fellen wir erneut auf. Der letzte grosse Aufstieg des Tages fĂĽhrt uns zum Stempeljoch. Eine ausgiebige Pause auf einer windgeschĂĽtzten Bank in der SonnÂÂe ist jetzt genau das Richtige, um die wilde Umgebung noch mal in Ruhe zu geniessen. Nur etwa 700 AufstiegsÂmeter haben wir dank der grossÂzĂĽgigen SeilbahnunterstĂĽtzung in den Beinen – und bekommen dafĂĽr ĂĽber 2’200 Höhenmeter in den Abfahrten zurĂĽck.
Micha reicht das heute nicht. Der Verkaufsberater aus der Transa Filiale in Basel macht im Jahr etwa 150’000 Höhenmeter – auf Tourenski und auf dem Rennvelo. Daher ist die Kleine StempelÂjochÂÂspitze mit zusätzlich 300 Höhenmetern fĂĽr ihn noch ein nettes ZĂĽckerli zum Abschluss. Wir anderen sind auch ohne diesen Gipfel zufrieden. Als Micha zurĂĽck ist, machen wir uns an die Abfahrt ins Halltal und damit zum Linienbus, der uns zurĂĽck in die Stadt bringt.
An den Abenden erkunden wir das urbane Leben der Metropole am Inn. Direkt ums HoteÂÂl heruÂÂm finden sich zahlreiche Bars und Restaurants. Auch die Altstadt mit dem berĂĽhmten GoldeneÂÂn Dachl ist nicht weit, das der Kaiser Maximilian I. um 1500 n. Chr. errichten liess. Wahrscheinlich kommen sehr viel mehr Feriengäste fĂĽr einen Blick auf das Dach nach Innsbruck als zum Skifahren – wenn die wĂĽssten, was sie da verpassen.
Unser vierter Tag fĂĽhrt uns nach KĂĽhtai. Der 2’000 Meter hohe Pass mit Skigebiet liegt westlich von Innsbruck. Wir nehmen den Pirchkogel unter die Ski. Von SĂĽden ein oft pistenÂmässig eingespurter Berg in unmittelbarer Nähe der Lifte. Aber am Gipfel verlassen wir die ĂĽbliche Route und fahren nach Norden ab. Perfektes Skigelände und weicher Schnee lassen uns grosszĂĽgig darĂĽber hinwegschauen, dass der Weg zurĂĽck auf jeden Fall wieder ĂĽber den Berg fĂĽhrt. Zum GlĂĽck mĂĽssen wir nicht noch mal ganz aufsteigen und können uns ĂĽber einen tieferen BergrĂĽcken zur nächsten Bushaltestelle schummeln. Das ist ein weiterer, unschlagbarer Vorteil von öffentlichen Verkehrsmitteln: Jede unserer Touren in dieser Woche endet an eineÂÂm anderen Punkt, als wir begonnen haben. So bekommen wir immer das ideale Verhältnis aus einem möglichst angenehmen Aufstieg und der bestmöglichen Abfahrt.
Nach einer letzten Tour auf die Serles, einer markanten Felspyramide sĂĽdlich von Innsbruck mit perfekten Firnhängen, geht es im Zug zurĂĽck nach ZĂĽrich. Alle sind sich einig: Wenn es mehr Städte mit so abwechslungsreichen BergÂmöglichkeiten gäbe, dann könnten wir uns häufiger mal zu eineÂÂm «Städtetrip» ĂĽberreden lassen.
Hier geht's direkt zum Tourenbeschrieb.TagsĂĽber die besten Touren- und Freeridespots erkunden – abends die kulinarischen und kultuÂrellen VorzĂĽge der Grossstadt geniessen. Und zwar nachhaltig mit öffentlichen Verkehrsmitteln!
Programm: 1. Tag: Anreise nach St. Anton und Freeriden am Arlberg. Anschliessend per Zug nach Innsbruck. 2. – 5. Tag: Mit Ă–V und Taxi erreichst du in 30 bis 60 Minuten die umÂliegenden Skiregionen wie Axamer Lizum, Praxmar, Stubaier Gletscher, Bergeralm, KĂĽhtai oder Rangger Köpfl. Mithilfe von Bergbahnen machst du deinen ÂAufstieg einfacher und Abfahrt länger. Heimreise am FreitagÂnachmittag ab Bahnhof Innsbruck.
Unterkunft: Boutique-Hotel Nala mit individuell gestylten Zimmern und reichhaltigem FrĂĽhstĂĽcksÂbuffet. Keine Angst: FĂĽr Höhenfieber-Gäste sind Doppelzimmer (Dusche/WC) mit geschlossenen Bädern reserviert.
Preis: CHF 1’495.– p. P. (Die Zuganreise ist nicht inbegriffen. Für Liftfahrten muss mit Zusatzkosten von ca. 150 EUR gerechnet werden. Ein gutes Abendessen gibt es in Innsbruck ab 15 EUR.)
Leistungen: 5 – 8 Gäste pro Bergführer:in, 4 Nächte im DZ mit
DU/WC, 4 x Frühstück, Transporte vor Ort mit dem ÖV und Taxi, 10 % Einkaufsgutschein bei Transa.
Info & Buchung: Höhenfieber AG, Die Berg- und Kletterschule, Platz 6, CH-6039 Root D4 | Tel. 032 / 361 18 18 | info@hoehenfieber.ch | hoehenfieber.ch |Tour-Webcode: 901
(Mit der TransaCard immer kostenlos)